Das Lipödem ist weit mehr als eine ästhetische Fettverteilungsstörung. Immer mehr Forschungsergebnisse zeigen, dass es sich um ein komplexes, oft unterschätztes Krankheitsbild handelt, das zahlreiche Begleiterscheinungen mit sich bringen kann. Besonders spannend sind dabei die Hinweise auf hormonelle Zusammenhänge und häufig auftretende Begleiterkrankungen, die lange Zeit kaum beachtet wurden.

Schilddrüsenerkrankungen: Auffällig häufig bei Lipödem-Patientinnen
Ein Thema, das in der Forschung zunehmend Beachtung findet, ist die Rolle der Schilddrüse. Zwar lässt sich bisher kein direkter ursächlicher Zusammenhang zwischen Lipödem und einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) wissenschaftlich eindeutig belegen – dennoch fällt auf, dass Schilddrüsenerkrankungen bei Betroffenen deutlich häufiger diagnostiziert werden als in der Allgemeinbevölkerung.
Während nur etwa 2 % der Gesamtbevölkerung unter einer Hypothyreose leiden, liegt dieser Anteil bei Lipödem-Patientinnen Studien zufolge bei über 30 %, in manchen Erhebungen sogar bei 40 %. Dieses Ungleichgewicht wirft Fragen auf: Gibt es gemeinsame hormonelle Einflussfaktoren? Und wie beeinflusst eine gestörte Schilddrüsenfunktion möglicherweise den Verlauf des Lipödems?
Unsichtbare Begleiter: Zyklusprobleme, Schlafstörungen, Migräne
Neben den bekannten körperlichen Symptomen wie Schmerzen, Schweregefühl und Schwellungen in Armen und Beinen, berichten viele Betroffene von Beschwerden, die zunächst nicht direkt mit dem Lipödem in Verbindung gebracht werden. Studien zeigen: Ein erheblicher Anteil der Patientinnen leidet unter Menstruationsstörungen, chronischer Schlaflosigkeit und Migräne.
In einer aktuellen Untersuchung gaben 43 % der befragten Frauen an, unter ausgeprägten Menstruationsbeschwerden zu leiden. 36 % berichteten über Schlafprobleme, und 35 % litten regelmäßig unter Migräneattacken. Diese Zahlen deuten darauf hin, dass das Lipödem nicht nur eine lokale, sondern möglicherweise auch eine systemische Komponente hat – insbesondere im hormonellen und neurologischen Bereich.
Diese Erkenntnisse unterstreichen die Notwendigkeit eines ganzheitlichen medizinischen Blicks: Weg von der rein symptomorientierten Behandlung, hin zu einem interdisziplinären Verständnis, das auch Endokrinologie, Gynäkologie und Schmerzmedizin einbezieht.
Quellen:
- Bauer, A. T., et al. (2019). New insights on lipedema: the enigmatic disease of the peripheral fat. Plastic and Reconstructive Surgery, 144(6), 1475–1484.
- Wiener, V., et al. (2009). Lipödem. Phlebologie, 38(04), 164–167.
- LipoCheck


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