Hört bitte auf, zu urteilen.
Wirklich. Hört auf damit.
Nicht nur von außen über uns Betroffene,
sondern auch wir untereinander.
Denn genau das tut oft am meisten weh.
Wir alle kämpfen.
Jede auf ihre eigene Weise.
Mit ihrem Körper.
Mit Schmerzen.
Mit Gedanken.
Mit Erfahrungen, die man nicht einfach abschütteln kann.
Und trotzdem passiert es immer wieder,
dass wir anfangen, uns gegenseitig zu bewerten.
Zu vergleichen.
Zu hinterfragen.
Zu kritisieren.
Aber wer sind wir, darüber zu urteilen?
Keine von uns kennt die ganze Geschichte der anderen.
Wir sehen nur einen kleinen Ausschnitt,
aber niemals das ganze Bild.
Wir sehen keine schlaflosen Nächte.
Keine stillen Kämpfe.
Keine Rückschritte.
Keine Ängste.
Keine kleinen Erfolge, die sich für jemanden riesig anfühlen.
Jede von uns hat ihren eigenen Weg.
Und jede von uns sollte das Recht haben,
diesen Weg zu gehen.
Ohne sich rechtfertigen zu müssen.
Ohne sich erklären zu müssen.
Und vor allem:
ohne verurteilt zu werden.
Es gibt nicht den einen richtigen Weg.
Nicht die eine richtige Entscheidung.
Nicht den einen Körper, der „richtig“ ist.
Es gibt nur deinen Weg.
Und meinen.
Und beide sind okay.
Ich stehe hier.
Nicht perfekt, nicht am Ziel,
aber auf meinem Weg.
Ich möchte helfen.
Ich möchte verbinden.
Nicht spalten.
Aber ich möchte nicht mehr bewertet werden.
Nicht für meinen Körper.
Nicht für meine Entscheidungen.
Ihr kennt meine Geschichte nicht.
Ihr wisst nicht, was ich durchgemacht habe
oder was ich vielleicht gerade durchmache.
Wenn es so aussieht, als hätte ich zugenommen –
bitte ignoriert es.
Wenn ich abgenommen habe –
dann bitte auch.
Auch gut gemeinte Worte können Druck erzeugen.
Druck, der Angst macht, wieder zuzunehmen.
Druck, der einen ständig beobachten lässt.
Und genau dieser Druck ist Gift,
gerade bei Lipödem.
Er kann dazu führen,
dass der Körper reagiert.
Dass man zunimmt
ohne etwas verändert zu haben.
Bitte macht meinen Körper nicht zum Thema.
Und das gilt auch für andere.
Denn kein Körper sollte bewertet, kommentiert
oder ständig beobachtet werden.
Und vielleicht noch ein Gedanke:
Wenn wir anfangen, über die Körper anderer zu sprechen,
sagt das oft mehr über unsere eigenen Unsicherheiten aus
als über die Person, die wir bewerten.
Vielleicht ist genau da der Punkt,
an dem wir alle kurz innehalten sollten.
Denn das, worum es wirklich geht,
ist oft unsichtbar.
Es sind die Schmerzen.
Die Tage, die schwer sind.
Die Momente, in denen man einfach nur funktionieren will.
Und ja, aktuell habe ich meine Schmerzen im Griff.
Ich lebe gerade schmerzfrei.
Aber siehst du das?
Nein.
Also urteile nicht.
Und vor allem:
Hör auf, gegen andere Betroffene zu kämpfen.
Wir sollten uns nicht gegenseitig klein machen.
Nicht gegeneinander arbeiten.
Wir sollten uns halten.
Uns verstehen.
Uns stärken.
Denn niemand von uns hat es leicht.
Und genau deshalb sollten wir füreinander da sein,
nicht gegeneinander.
Mehr Miteinander.
Weniger Urteil.
Das ist alles, was ich mir wünsche.
2 Kommentare zu „Mein Körper ist kein offenes Gesprächsthema“
-
Genau sou ass et!
-
MERCI


Schreibe einen Kommentar