Lipödem und Hypermobilität: Eure Rückmeldungen zeigen, dass wir genauer hinschauen müssen

Lipödem und Hypermobilität: Eure Rückmeldungen zeigen, dass wir genauer hinschauen müssen

Am 20.05.2026 habe ich den Beitrag „Lipödem und Hypermobilität: Chronisch instabile Bänder – kennt das noch jemand?“ veröffentlicht.

Zunächst möchte ich einfach Danke sagen.
Danke an alle, die sich die Zeit genommen haben, meinen Beitrag zu lesen. Danke für euer Interesse, eure Unterstützung bei der Aufklärung unserer gemeinsamen Erkrankung und natürlich auch für eure Teilnahme an der kleinen Umfrage.

Insgesamt haben mich 14 Rückmeldungen erreicht.

Davon berichteten:

  • 9 Betroffene, dass bei ihnen bereits eine Hypermobilität oder chronische Bandinstabilität bekannt ist.
  • 2 weitere vermuten einen Zusammenhang.
  • 3 gaben an, nicht betroffen zu sein.

Natürlich ist das keine wissenschaftliche Studie. Trotzdem finde ich dieses Ergebnis bemerkenswert.

Denn wenn 11 von 14 Betroffenen entweder bereits betroffen sind oder einen Verdacht haben, dann stellt sich zumindest die Frage:

Sind wir wirklich Einzelfälle?


Die Knie wurden nie dafür gebaut

Unsere Knochen unterscheiden sich nicht von denen anderer Menschen.

Aber beim Lipödem ist die Gewichtsverteilung verändert. Knie, Sprunggelenke und Hüften müssen Belastungen auffangen, für die sie ursprünglich nicht ausgelegt sind. Dadurch verändert sich die Biomechanik jedes einzelnen Schrittes.
Kommt zusätzlich eine Hypermobilität hinzu, wird diese Belastung noch größer.

Denn Hypermobilität bedeutet nicht nur, besonders beweglich zu sein, sie kann auch bedeuten:

  • instabile Gelenke
  • überdehnte Bänder
  • schwächere Kollagenstrukturen
  • eine schlechtere Stoßabsorption
  • eine höhere Belastung bei jeder Bewegung

Jeder Schritt kostet mehr Energie.
Jede Bewegung wird anstrengender.
Und Schmerzen können schneller entstehen.


Was die Forschung zeigt

Auch die Wissenschaft beginnt, sich intensiver mit diesem Zusammenhang zu beschäftigen.

Ergebnisse, die unter anderem auf dem Lipedema World Congress vorgestellt wurden, zeigen, dass zwischen 49 und 63 % der Frauen mit Lipödem die Kriterien einer Hypermobilität erfüllen.
In der allgemeinen Bevölkerung liegt dieser Anteil bei etwa 10 bis 20 %.
Das Risiko scheint bei Lipödem also deutlich erhöht zu sein.

Noch sind viele Fragen offen. Doch immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass hormonelle Einflüsse, Veränderungen im Bindegewebe und Kollagenstrukturen sowohl beim Lipödem als auch bei Hypermobilität eine Rolle spielen könnten.

Hypermobilität und Lipödem könnten somit für die Gelenke eine doppelte Belastung darstellen.


Vielleicht erklärt das einiges

Viele Betroffene mit Lipödem kennen das Gefühl, dass Bewegungen anstrengender sind, als sie eigentlich sein sollten.

  • Dass die Beine schneller müde werden.
  • Dass Knie, Sprunggelenke oder Füße immer wieder Probleme machen.
  • Dass man nach Aktivitäten erschöpft ist, die für andere völlig normal erscheinen.

Und trotzdem bekommt man häufig denselben Rat:
„Mach einfach mehr Sport.“

Doch was, wenn der Körper tatsächlich mehr leisten muss?
Was, wenn nicht mangelnde Motivation dahintersteckt, sondern eine veränderte Biomechanik und möglicherweise zusätzlich eine Hypermobilität?
Genau deshalb finde ich sowohl die Ergebnisse der Umfrage als auch die wissenschaftlichen Erkenntnisse so interessant.

Natürlich beweist das keinen Zusammenhang für jede einzelne Betroffene. Aber vielleicht erklärt es, warum manche Frauen trotz Bewegung, Gewichtsreduktion und aller Bemühungen das Gefühl haben, dass ihr Körper mehr Energie braucht und schneller an seine Grenzen kommt.


Aber es gibt auch gute Nachrichten

All das bedeutet nicht, dass Betroffene ihren Gelenken hilflos ausgeliefert sind.
Denn Biomechanik kann sich verbessern.
Wenn Entzündungen reduziert werden und die Muskulatur ausreichend Stabilität aufbauen kann, werden Bewegungen oft wieder leichter.

Schmerzen können nachlassen.
Die Belastbarkeit kann steigen.
Und der Alltag kann wieder einfacher werden.

Deshalb bedeutet Lipödem-Management weit mehr als Kalorien zählen und Kompression tragen.
Es geht auch um:

  • gezielten Muskelaufbau
  • Physiotherapie
  • Gleichgewichts- und Stabilitätstraining
  • passende Bewegungsformen
  • Entzündungsmanagement
  • ausreichend Regeneration
  • und darum, den eigenen Körper besser zu verstehen

Vielleicht müssen wir Lipödem größer denken

Vielleicht müssen wir aufhören, Lipödem nur als Fettverteilungsstörung zu betrachten.

Denn möglicherweise gehören noch viele weitere Aspekte dazu:

  • Bindegewebe
  • Hormone
  • Gelenkstabilität
  • Biomechanik
  • Entzündungen
  • Muskelkraft
  • Schmerzen
  • Erschöpfung

Und vielleicht erklärt genau das, warum manche Frauen trotz Ernährung, Kompression und Bewegung weiterhin Beschwerden haben.
Weil Lipödem-Management eben mehr umfasst als nur Kalorien zählen und Kompression.


Vielen Dank

Noch einmal danke an alle, die meinen ersten Beitrag gelesen und an der Umfrage teilgenommen haben.
14 Rückmeldungen ersetzen keine Studie.
Aber manchmal beginnen neue Erkenntnisse genau dort, wo Betroffene sagen:
„Moment mal … das kenne ich auch.“

Und vielleicht liegt genau darin die Stärke unserer Gemeinschaft.
Nicht nur Erfahrungen zu teilen, sondern gemeinsam Fragen zu stellen, die bisher viel zu selten gestellt werden.
Denn vielleicht sind wir mit diesen Fragen nicht allein und vielleicht müssen wir gemeinsam anfangen, genauer hinzuschauen.
Genau deshalb liegt mir Aufklärung so sehr am Herzen.

Denn Wissen allein reicht oft nicht aus. Viele Betroffene stehen nach der Diagnose oder nach Jahren voller Beschwerden vor der Frage:
„Und wie geht es jetzt weiter?“

Aus diesem Grund habe ich ein persönliches Begleitprogramm entwickelt. Nicht, um Wunder zu versprechen, sondern um Betroffene auf ihrem eigenen Weg zu unterstützen. Mit verständlichen Informationen, praktischen Hilfen, Erfahrung und einem Blick auf das Lipödem als Ganzes.

Denn Lipödem-Management bedeutet für mich mehr als Kompression und Kalorien zählen. Es bedeutet, den eigenen Körper besser zu verstehen, Zusammenhänge zu erkennen und Schritt für Schritt einen Weg zu finden, der zum eigenen Leben passt.

Wenn du dir individuelle Unterstützung wünschst, findest du weitere Informationen zu meinem persönlichen Begleitprogramm auf meiner Webseite.

Ein Kommentar zu „Lipödem und Hypermobilität: Eure Rückmeldungen zeigen, dass wir genauer hinschauen müssen“

  1. Avatar von Sylvie Thoss
    Sylvie Thoss

    Hallo
    ech fannen schon de Begrëff
    “ Fett VERTEILUNGS störung“
    terribel negativ
    Mir gëif :
    „übermäßige Fett SPEICHERUNG“
    besser gefaalen
    Jo, dass et méi wéi dat as spieren mir all .

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